Die Liebe hat die Eigenschaft, alles, was wir an Schmerz in uns tragen, an die Oberfläche zu bringen. Die Liebe kreiert keine neuen Schmerzen. Aber sie berührt die Wunden in uns, weil sie weiß, dass dies eine Chance auf Heilung ist. Die meisten Menschen vergeben diese Chance, denn sie wollen den Schmerz nicht fühlen. Sie laufen entweder weg oder sie kämpfen gegen denjenigen, der diesen Schmerz auslöst.

So entsteht Leiden und die Wunde kann nicht heilen. Was wir lernen dürfen, ist etwas vom Wichtigsten überhaupt: Offen zu bleiben im Schmerz, präsent zu bleiben, wenn Schmerz ausgelöst wird und mit dem Schmerz nach innen zu gehen!

Auch mit Wut – Wut darf gefühlt und manchmal auch ausgedrückt werden. Wut ist nichts Schlechtes, sie hat eine Menge Kraft – aber Wut steht in dem Dienst, einen Schmerz zu schützen, einen Schmerz nicht zu fühlen. Das heißt, wenn du wütend bist, dann fühle die Wut, lass die Wellen durch dich gehen, aber sei dir dessen bewusst und gehe ein Stück tiefer dorthin, wo die Hilflosigkeit ist. Wo die Ohnmacht ist, wo der Schmerz ist, wo das kleine bedürftige Kind ist, das nicht weiter weiß.

Und das ist ein wundervoller Weg, das ist der Weg der Liebe für mich, der Weg in die Bedingungslosigkeit der Liebe. Denn wenn wir diese Liebe, diese Wahrnehmung, diese Zuwendung dorthin tragen können, wo Teile von uns in Not sind, wo etwas noch nicht in der Liebe ist, wo etwas noch nicht in der Tiefe umarmt ist, dann wächst dadurch unsere Bedingungslosigkeit.

Das zu lieben, was sich angenehm anfühlt, ist nichts Besonderes.

Aber es geht darum, in der Liebe zu bleiben, wenn wir das Gefühl haben, wir werden nicht geliebt, oder wenn da ein schmerzhafter Teil ist, den ich nicht liebe, den ich nicht erleben will, den ich nicht haben will. Dann in der Liebe zu bleiben, das macht unsere Liebe wirklich stark und machtvoll!

Und jedes Mal, wenn uns davon auch nur eine Nuance gelingt, ist die Schwingung ein klein wenig höher und wir sind ein klein wenig näher an der Bedingungslosigkeit der Liebe, nach der jeder Mensch – ausnahmslos jeder – sich sehnt.

Und diese Bedingungslosigkeit ist die Ausrichtung, die für uns alle möglich ist. Es ist möglich, sie in diesem Leben voll und ganz zu verwirklichen, zu verkörpern. Es ist eine unserer großen Ausrichtungen. Jeder kleinste Schritt in diese Offenheit für das, was noch nicht in der Liebe ist, ist großartig. Ist pure Gnade.

Unser Kolumnist Gerd Bodhi Ziegler gehört als Bewusstseinslehrer, Ausbilder und Buchautor zu den Pionieren im Bereich spiritueller Therapie und Transformationsarbeit. Er hat sein ganzes Leben der Arbeit mit Menschen gewidmet, um sie zu unterstützen, sich selbst zu finden und ihre höchsten Potenziale zu entfalten. Seine Seminarprojekte werden seit Jahrzehnten von zahlreichen begeisterten Teilnehmern aus dem gesamten deutschsprachigen Raum besucht. Er ist Autor der weltweit meistgelesenen Tarotbücher über das Crowley-Tarot.

Weitere Informationen über ihn und seine Arbeit: www.gerd-bodhi-ziegler.com

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